Mit Lydia Oldham Auf Dem Camino De Santiago Laufen
Lisa Roolant

Wir, bei Siesta Campers, leben Outdoor-Abenteuer. Die Freiheit auf offener Straße, den Nervenkitzel der Wildnis und die Geschichten, die unterwegs passieren. Deshalb arbeiten wir leidenschaftlich gern mit Abenteurern und Athleten zusammen, die ihre Grenzen verschieben und das Unmögliche möglich machen.
Triff Lydia Oldham: Ultra-Läuferin, kreative Geschichtenerzählerin und eine echte Powerfrau. Sie steht nun vor einer ihrer größten Herausforderungen: den Camino de Santiago zu laufen – eine 650 km lange Strecke durch Portugal und Spanien – in nur sechs Tagen, mit dem Ziel, einen neuen Geschwindigkeitsrekord (Fastest Known Time/FKT) aufzustellen.
Mit einem Siesta Camper als rollendem Basislager verbindet Lydia Ausdauersport, Storytelling und Vanlife zu einem epischen Abenteuer namens "Projeto Portugal". Wir haben uns vor ihrem Start mit Lydia unterhalten – über ihre bevorstehende Reise, das Mindset einer Ultra-Läuferin und was sie antreibt, sowohl auf der Strecke als auch im Leben.
Hallo Lydia! Wir freuen uns riesig, dich bei diesem Rekordversuch auf dem Camino de Santiago zu unterstützen. Lass uns direkt anfangen – erzähl uns doch etwas über dich und was „Zuhause“ für dich bedeutet.
„Ich bin zwischen Deutschland, Brasilien und Shanghai aufgewachsen – das Reisen liegt mir quasi im Blut. Jeder Ort hatte seine ganz eigene Energie. Die kulturellen Kontraste haben mich stark geprägt.
Am ehesten fühle ich mich zuhause, wenn ich unterwegs bin – wenn ich neue Orte entdecke, fremdes Essen probiere und interessante Menschen treffe. Zuhause ist für mich kein fester Ort, sondern vielmehr ein Gefühl: ganz im Moment zu verweilen, egal wo ich gerade bin.
Wenn ich nicht laufe oder reise, arbeite ich als Vollzeit-Designerin. Ich liebe es, kreativ zu sein und Ideen visuell auszudrücken. Gleichzeitig schätze ich aber auch bewusste Auszeiten – gutes Essen und erholsamer Schlaf sind essenziell, wenn man Abenteuer und Beruf unter einen Hut bringen will.“
Du bist eine leidenschaftliche Läuferin. Ist das erst seit der Pandemie so? Jetzt läufst du Ultramarathons als Reebok Running Botschafterin? Wie kam es dazu?
„Das stimmt! Erst während der Pandemie habe ich ernsthaft mit dem Laufen angefangen. Das hat buchstäblich alles verändert. Am Anfang bin ich nach 2 km schon außer Puste gewesen. In der Schule war ich Wettkampfschwimmerin. Diese sportliche Grundhaltung hat mir geholfen. Ich glaube, diese muskuläre und mentale Erinnerung ist wieder hochgekommen und hat es mir erleichtert, die anfänglichen Schwierigkeiten durchzuhalten.
Erst als ich diese Hürde überwunden hatte, konnte ich mich unsterblich in diesen Sport verlieben.“
Was braucht es deiner Meinung nach, um Ultra-Läufer zu sein – und wie vereinbarst du das mit dem normalen Leben?
„Man muss es genießen, Zeit mit seinen eigenen Gedanken zu verbringen – lange Läufe sind eine Art Meditation. Sie sind gleichzeitig befreiend und erdend. Aber sie sind definitiv auch ein Balanceakt.
Mein Mann ist dabei meine größte Stütze. Er ist unglaublich geduldig und versteht, dass dies meine Leidenschaft ist. Zusammen haben wir schon viele wunderbare Abenteuer erlebt, sei es auf neuen Trails oder einfach in der Natur. Diese gemeinsamen Momente gehören zu unseren schönsten Erinnerungen.
Das Training erfordert Kontinuität – schrittweise Steigerung der Laufumfänge, Cross-Training und vor allem darf man auch die Erholung nicht vernachlässigen. Ein unterstützendes Umfeld, das einen anfeuert, macht dabei einen riesigen Unterschied.
Wenn ich unterwegs bin und die Kilometer ablaufe, mache ich das nicht nur für mich selbst. Ich lebe diesen Weg, den wir gemeinsam gehen. Es geht nicht nur um das Laufen, sondern um all die Erfahrungen, die man unterwegs sammelt.“
Du bist auch kreativ tätig und hast „Come Run With Me“ gegründet. Wie ist das entstanden und wie hast du damit die Aufmerksamkeit großer Marken auf dich gelenkt?
„Come Run With Me ist meine Art, die Welt hinter den Kulissen des Laufens zu teilen – die Höhen und Tiefen und all die Schönheit dazwischen. Ich bleibe dabei immer authentisch, und glaube, dass ich genau damit die Menschen erreiche.
Vieles hat sich aus meinen Aktivitäten in der Londoner Lauf-Szene entwickelt. Ich konnte Beziehungen zu anderen Läufern aufbauen und somit auch zu Leuten bei Marken wie Reebok und Maurten.
Authentizität kommt einfach an. Marken schätzen diese ungekünstelte Verbindung. Sie haben gesehen, wie engagiert ich bin – nicht nur beim Laufen selbst, sondern auch dabei, eine unterstützende Community aufzubauen, in der sich jeder ermutigt fühlt mitzumachen. Es fühlt sich immer noch unwirklich an, die Unterstützung dieser Marken zu erhalten!
Diese Zusammenarbeit hat so viele tolle Möglichkeiten eröffnet. Es fühlt sich wie ein Traum an, dass sie mich auf meinem Weg begleiten. Ich freue mich darauf, meine Abenteuer weiter mit meiner Community zu teilen, andere zu inspirieren und ihnen „die Laufschuhe zu schnüren“ – ganz egal auf welchem Level sie sich befinden.”
Du bist kürzlich von London nach Portugal gezogen. Was hat dich zu diesem Schritt bewogen?
„London wird immer einen besonderen Platz in meinem Herzen haben. Ich habe dort sechs tolle Jahre verbracht. Ich habe dort meinen ersten Job als Designerin bekommen, meinen Mann kennengelernt und Unvergessliches erlebt. Nach einer Weile haben wir beide den Drang verspürt, dem Trubel zu entfliehen, das Tempo zu drosseln und der Natur näher zu sein – besonders weil ich Trailrunning so sehr liebe!
Portugal erfüllt einfach alle Kriterien. Sonnenschein, wunderschöne Landschaften und eine entspannte Lebensart. All das haben wir in unserem neuen Zuhause in Ericeira gefunden. Der Umzug hierher war eine der besten Entscheidungen unseres Lebens.
Die Menschen sind unglaublich gastfreundlich, das Essen ist köstlich und die Kultur ist lebendig und vielfältig. Es ist ein echtes Geschenk, hier die Laufschuhe schnüren und an den Klippen entlang laufen zu können.
Kurz nach unserem Umzug haben wir begonnen, vom nächsten Abenteuer zu träumen: den Camino de Santiago zu laufen und den Geschwindigkeitsrekord zu brechen. Ich kann es kaum erwarten, mehr von Portugal zu entdecken, während ich die Küste entlang in Richtung Spanien laufe. Jeder Lauf ist eine Gelegenheit, die atemberaubende Landschaft zu genießen, mit der lokalen Community in Kontakt zu kommen und dieses neue Lebenskapitel voll auszuleben. Wir sind begeistert!”
Letztes Jahr bist du beim „The Speed Project" für Reebok 500 km von Los Angeles nach Las Vegas gelaufen. Jetzt hast du dir die 650 km von Lissabon nach Santiago de Compostela vorgenommen. Was hat dich zu dieser neuen Herausforderung inspiriert?
„Nach The Speed Project war ich völlig überwältigt davon, wie weit ich gehen konnte – sowohl körperlich als auch mental. Ehrlich gesagt wusste ich gar nicht, dass ich dazu in der Lage bin. Diese Erfahrung hat ein Feuer in mir entfacht. Es hat etwas ganz Besonderes, so viel Zeit auf der Straße zu verbringen, wo man sich ganz auf das Laufen, Essen und Schlafen konzentrieren muss – fernab von Arbeit und Ablenkungen.
Für diese neue Herausforderung wollte ich etwas machen, das nichts mit Laufen zu tun hat. Etwas, das andere inspiriert, selbst große Träume zu wagen und ihre eigenen Abenteuer zu planen.
Ich bekomme viel Unterstützung durch mein tolles Team und die Sponsoren. Selbstverständlich habe ich das Ziel, einen Rekord zu brechen. Mein Hauptanliegen ist es aber zu zeigen, dass man kein Profiathlet sein muss, um eine große Sache anzugehen. Wenn du einen Traum hast und den Willen, ihn zu verfolgen, dann kannst du ihn auch verwirklichen.
Dank unseres Umzugs nach Portugal macht es einfach Sinn, den Camino de Santiago zu laufen. Diese Route ist reich an Geschichte, Bedeutung und Schönheit und scheint der ideale Weg zu sein, das Land, das jetzt unser Zuhause ist, zu erkunden. Ich freue mich so sehr darauf, alles in mich aufzunehmen und die Erfahrung mit anderen zu teilen.“
Die 650 km lange Strecke, die Lydia zurücklegen wird, beginnt in Lissabon und endet in Santiago de Compostella
Wie bereitest du dich körperlich und mental auf diese Herausforderung vor?
„Sowohl auf den Körper als auch auf den Geist zu achten, ist absolut entscheidend. Körperlich nutze ich jede Gelegenheit zum Laufen: Morgens vor dem Frühstück, nach der Arbeit, lange Wochenendläufe – wann immer es möglich ist! Je mehr Zeit ich auf den Beinen verbringe, desto besser bin ich vorbereitet, wenn es ernst wird.
Außerdem mache ich Kraft- und Mobility-Training, um ausgewogen und verletzungsfrei zu bleiben. Auch die Erholung ist dabei wichtig. Ich habe gelernt, sie nicht zu vernachlässigen.
Mental schöpfe ich viel Motivation aus YouTube-Dokumentationen, Büchern und Podcasts. Die Geschichten von anderen, die ihre Grenzen verschoben haben, halten mich motiviert und am Ball. Sie helfen mir zu erkennen, dass solche Herausforderungen machbar sind. Letztendlich geht es darum, mentale Stärke aufzubauen und inspiriert zu bleiben, während ich mich auf dieses große Abenteuer vorbereite.“
Erzähl uns von deinem Team. Wer wird dich auf dem Camino de Santiago begleiten?
„Ich bin superglücklich, ein fantastisches Team an meiner Seite zu haben. Es besteht aus zwei Tempomachern, Tyson und René, meinem Mann Oli als Teamkapitän und unseren beiden Fotografen, Mario und Agostino. Sie sind alle sehr wichtig für mich, jeder in seiner entscheidenden Rolle. Ohne sie wäre dieses Projekt unmöglich. Alle investieren ihre Zeit und Energie, um mir zu helfen, diesen Traum zu verwirklichen.
Der Lauf ist zu 100 % ein Teamprojekt. Mein Team wird in den frühen Morgenstunden und späten Nächten auf der Straße (in einem Siesta Campervan!) durchhalten, um sicherzustellen, dass ich auf jedem Kilometer Energie und Unterstützung erhalte. Ich bin sehr dankbar, diese Menschen an meiner Seite zu haben. Dadurch wird das Erlebnis umso lohnenswerter.“
Worauf freust du dich am meisten, und was macht dir vielleicht ein bisschen Angst?
„Ich freue mich riesig darauf, Portugal und Spanien zu Fuß zu entdecken. Die Welt Schritt für Schritt zu erleben kann man mit nichts anderem vergleichen. Außerdem bin ich total gespannt auf die gemeinsame Zeit mit dem Team und darauf, die Erfahrung aus unserem Campervan heraus festzuhalten und zu teilen.
Bin ich Nervös? Natürlich! Aber ich versuche, nicht zu viel nachzudenken. Obwohl ich so viel wie möglich vorgeplant habe, gehe ich die Sache bewusst etwas naiver an. Bei Ultraläufen läuft nie alles nach Plan – sei es aufgrund des Wetters, wegen Magenproblemen oder anderen Überraschungen, die uns die Straße beschert. Genau das macht aber auch den Reiz aus. Das Unvorhersehbare zu akzeptieren gehört nun einmal zum Nervenkitzel dazu. Außerdem ist halt immer der Weg das Ziel.”
Was ist für dich auf der Straße absolut unverzichtbar?
„Mein Hund zum Knuddeln! Wenn er nicht dabei ist, habe ich immer meinen Teddybär dabei – es geht einfach um Gemütlichkeit. Außerdem sind Freunde und gute Vibes die wahre Motivation.”
Was hoffst du, dass andere Menschen von deinem Weg lernen?
„Ich hoffe, er inspiriert andere, ihre eigenen Abenteuer zu erleben und ihre Grenzen auszuloten – was auch immer das für sie bedeutet. Man muss kein Spitzenläufer oder Extremabenteurer sein, um sich etwas Großes vorzunehmen.
Vanlife macht solche Abenteuer zugänglicher. Man hat sein Basislager, seine Freiheit und die offene Straße. Mein Rat? Plane voraus, erstelle eine Packliste, bleib flexibel und stelle dich der Ungewissheit. Ich hoffe, meine eigene Geschichte inspiriert viele weitere Abenteuer!”
Danke, Lydia! Wir können es kaum erwarten, dich auf jedem Kilometer anzufeuern.
Ab dem 27. April 2025 holen Lydia und ihr Team ihren Siesta Camper an unserer Station in Lissabon ab und begeben sich auf ein 6-tägiges, 650 km langes Abenteuer über den Camino de Santiago.
Folgt der Reise auf Instagram @comerunwithme und @siestacampers.